In diesen Ostertagen feiern wir die Auferstehung Jesu – doch vielen ist in Vergessenheit geraten, was das eigentlich im Kern bedeutet. Was wollte Jesus uns wirklich sagen? Seine Botschaft war von bestechender Einfachheit und zugleich von erschütternder Radikalität: bedingungslose Liebe.
Doch wie oft greifen wir andere an, manchmal mit Worten, manchmal mit Taten, manchmal nur mit Schweigen? Im Kleinen gegenüber unserem Partner, unseren Kindern, unserer Familie, unseren Freunden, unseren Kollegen – und im Großen zwischen ganzen Nationen. Jeder Angriff, jede harte Geste ist im Grunde ein stummer Schrei nach genau dem, was wir am meisten fürchten: nach Liebe.
Liebe ist sehr gefährlich für unser Ego. Sie bedeutet Verlust, Verletzung, Beschämung, Demütigung. Wer liebt, macht sich verletzlich. Wahre Liebe bedeutet die Aufgabe des eigenen Egos. Je weniger Ego, desto mehr sind wir überhaupt in der Lage zu lieben. Denn das Ego liebt den anderen nur um des eigenen Vorteils willen.
Liebe bedeutet auch, den anderen zu akzeptieren, wie er ist – selbst wenn wir nicht gut finden oder nicht verstehen, warum er so ist, wie er ist. Das ist die größte Herausforderung: bedingungslos anzunehmen. Nicht nur unseren Partner, unsere Kinder, unsere Familie, sondern auch unsere Nachbarn, Kollegen, Fremde. Menschen, die anders denken, anders leben, anders handeln.
Wir haben es gelernt, Liebe für Schwäche zu halten und Hass für Stärke. Wir panzern uns, bauen Mauern, greifen zuerst an, bevor wir angegriffen werden können. Wir haben unglaubliche Angst davor, in der Liebe zu versagen, verletzt zu werden, uns zu blamieren.
Doch Liebe kann nicht vollständig einkehren, wenn Angst in uns wohnt. Und wir lieben so oft mit Bedingungen: „Nur wenn du das erfüllst, nur wenn ich das von dir bekomme, dann gebe ich.“ Das ist der Deal, den das Ego abschließt. Doch wahre Liebe kennt keine Bedingungen.
Ein Ja zur Liebe trotz großer Gefahr. Ein Ja zur Verletzlichkeit trotz aller Angst. Denn am Ende ist jede Form von Gewalt – ob groß oder klein, ob im Privaten oder zwischen Völkern – nur ein verzweifelter, stummer Schrei nach genau dem, was wir uns selbst nicht zu geben trauen: bedingungslose Liebe.
Liebe ist und war schon immer stärker als Angst – wenn wir sie zulassen!
*“Schrei nach Liebe“ Die Ärzte 1993

